Benzinpumpe

Die Benzinpumpe

 

Da stand ich nun, mitten auf dem Lidl-Parkplatz und das KFZ ließ sich nicht mehr zum Starten überreden. Da ich das Geräusch meiner Benzinpumpe immer abwarte und nicht sofort den Schlüssel voll umdrehe, habe ich sehr schnell gemerkt, dass da etwas nicht in Ordnung sein kann. Hier gleich schon mal folgendes: Wenn bei den VW T4 mit Benzinmotor beim Einschalten der Zündung das ca. 1 - 2 Sekunden lange Brummen zwischen den Sitzen fehlt, ist von einem Defekt der Pumpe auszugehen. Hier gibt es eigentlich nur drei Möglichkeiten, Relais kaputt, Kabel gebrochen oder Pumpe tatsächlich defekt. Falls man dann irgendwo mehr oder weniger hilflos rumsteht, gibt es eine kleine Möglichkeit, die Pumpe wenigstens kurzzeitig wieder zum Arbeiten zu überreden. Einfach unter dem Auto unter dem Tank einigermaßen kräftig klopfen. Durch die Erschütterung bewegen sich die Reste der Kohlebürsten im Pumpenmotor und es kommt vielleicht wieder zum Kontakt. In den meisten Fällen sind nämlich lediglich die Kohlebürsten des Motors der Pumpe verschlissen. In meinem Fall hat die Pumpe auch schon einiges geleistet nach 290.000 km.

Nach ein paar Klopfversuchen konnte ich dann den Motor wieder starten und habe mich auf kürzestem Weg nach Hause begeben. Am nächsten Tag habe ich dann das bei mir schon vorhandene Loch im Teppich zwischen den Sitzen geöffnet. Auf den Fotos kann man es, glaub ich, gut erkennen, wo der Teppich eingeschnitten wurde. Natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten an die Tanköffnung zu gelangen. Allerdings fand ich diese damals, als ich den Saugstutzen für die Standheizung nachgerüstet habe, am einfachsten. An dieser Stelle steht eh immer eine Kiste, daher stören mich die Einschnitte im Teppich nicht wirklich. Ausserdem ist so die Möglichkeit einer schnellen Reparatur und Fehlersuche jederzeit gegeben. Andere Möglichkeiten wären dann die komplette Demontage der Sitze und der Ausbau des Teppichs oder das Abbauen des Tanks unter dem Auto. Um späteres Verklemmen der runden, schwarzen Abdeckung zu vermeiden, sollte die Abdeckung der Handbremse noch entfernt werden. Diese ist nur geclipst (war zumindest bei mir so) und kann einfach abgezogen, bzw. herausgehebelt werden. Auch der kleine Kontaktschalter an der Handbremse sollte entfernt werden.

Wenn die Verkleidung der Handbremse demontiert wurde, kann man sehen, wo der Teppich unter der Handbremse endet und wo der Runde Deckel zum Tank sich befindet. Wenn man jetzt mit einem Cutter zwei Schnitte (blaue Linien auf dem Bild) macht, kann man den Teppich einfach umklappen und der Deckel wird komplett sichtbar. jetzt ist es von Anfang an sehr wichtig, den Bereich um den Deckel sauber zu halten, also nach Möglichkeit den Bereich saugen und einzelne Teile abwischen! Warum, erkläre ich später noch. Den umgeklappten Teppich einfach mit irgendwas schwerem am zurückklappen hindern. Auf dem nächsten Bild sieht man jetzt den freigelegten Deckel. Dieser ist mit drei kleinen Blechschrauben fixiert. an einer Seite gibt es eine Durchführung im Blech für die Stromleitungen zum Tank. Diese sind durch ein Stück Schaumstoff geschützt, damit sich das Blech nicht in die Isolierung gräbt. Ist bei euch die Sicherung geflogen, ist dies die erste Stelle, wo wahrscheinlich Kontakt zur Masse stattfinden könnte. Es ist nachher beim Zusammenbauen unbedingt notwendig, dass die Kabel wieder einen vernünftigen Schutz an dieser Stelle bekommen. Der Deckel ist sehr Scharfkantig!

Sind die drei Schrauben entfernt, sollte der Deckel von der Handbremse weg herausgezogen werden. Bei mir war er noch mit einigen Klebestreifen fixiert. Den Sinn dieser Streifen habe ich nciht ergründen können. Falls der Deckel also nach entfernen der Schrauben nicht von alleine hochkommt, einfach mit einem Schraubendreher hochhebeln. Danach wird der eigentliche Tankdeckel mit den Treibstoffleitungen sichtbar. UND SEHR WAHRSCHEINLICH EINE MENGE DRECK! Dieser sollte so gut es geht entfernt werden. Bevor jetzt der eigentliche Tank geöffnet wird, sollten folgende Dinge beachtet werden:

Sämtliche Zündquellen entfernen. Es sollte jedem klar sein, was in dem Tank ist und was bei Entzündung passieren kann.
Tankdeckel aussen öffnen. Dient zur Belüftung. Die Gase sind nicht nur leicht entzündlich, sondern auch benebelnd und gesundheitsschädlich.
Türen auf! Möglichst alle! Viel Luftzirkulation vermeidet gefährliche Gemischbildung.
Für die ganz Vorsichtigen... Feuerlöscher besorgen und in Reichweite stellen!
Tank möglichst weit entleeren. Vereinfacht die Demontage der Pumpeneinheit enorm!

Die Entfernung des Drecks ist wichtig, damit später nichts in den Tank fällt, was dann in der neuen Pumpe oder sonstwo angesaugt wird. Natürlich gibt es Filter und Siebe im Kreislauf, trotzdem kann es zu Problemen führen wenn der Dreck diese zusetzt. Als nächstes habe ich dann den Stecker entfernt. Metallklammer zusammendrücken und einfach abziehen. Auf dem Bild kann man schon gut erkennen, wie der Deckel die Stoffummantelung aufgerieben hat (blaue Umrandungen). Das rote Kreuz markiert meinen Standheizungsanschluss und ist standardmäßig nicht vorhanden. Beim Abnehmen der Benzinschläuche unbeding auf die Pfeile am Stutzen achten und die Schläuche ggf. markieren! Dies ist beim Zusammenbauen später wichtig. An sonsten pumpt die neue Pumpe mit ca. 3 Bar Benzin durch den Rücklauf und nicht durch den Druckregler. Es macht Sinn, die Schläuche mit geeigneten Mitteln (Große Schraube, etc.) zu verschließen. Wenn alle Anschlüsse entfernt wurden, kommt der nervige Teil mit der großen Überwurfmutter aus Kunststoff.

Um die Überwurfmutter recht einfach lösen zu können, habe ich in den Spalt zwischen Mutter und Stopfen ein WENIG! Kriechöl (Ballistol) gesprüht und 10 Minuten gewartet. Danach habe ich mit einem breiten Schraubendreher Schlitz und einem Hammer vorsichtig in Drehrichtung gegen die schwarzen Noppen geschlagen. Nach 4 - 5 Gefühlvollen Schlägen hat sich die Mutter bewegt. Weiteres Drehen konnte ich auch nur mit dieser Technik weiter erzwingen. Nach ca. zwei Umdrehungen ging es von Hand. Durch leichtes hin und her Bewegen konnte dann der Stopfen mit den Anschlüssen herausgezogen werden.

VORSICHT BEIM HERAUSZIEHEN! An der Unterseite des Stopfens (Blauer Kreis auf dem Foto) sind alle Anschlüsse zur Pumpe weitergeleitet und die Pumpe ist auf dem Tankboden fixiert. Einmal zu stark gezogen und es werden Leitungen beschädigt! Jetzt kommt der richtig bescheidene Teil! Die Pumpeneinheit (grüner Kreis auf dem Foto) muss gelöst werden und diese ist mittels eines Bajonetverschlusses am Tankboden fixiert. Dazu muss man am Stopfen vorbei, nach Möglichkeit ohne die Leitungen abzunehmen (erspart später deutlich arbeit), die Pumpeneinheit greifen und dann gegen den Uhrzeigersinn drehen. Falls die Arme nicht schlank genug sind, gibt es bestimmt einen Bekannten. Hier kommt jetzt der leere Tank ins Spiel. Sollte der Tank noch einen ordentlichen Füllstand aufweisen, wird man unweigerlich die Hand in Benzin tauchen müssen und das ist echt ekelig. Ich persönlich würde keine Handschuhe anziehen, da mir dann das notwendige Gefühl bei der Demontage fehlen würde, aber das muss jeder selbst entscheiden. Aus gesundheitlichen Gründen ist ein Einmalhandschuh natürlich besser. AUSSERDEM MUSS BEIM AUSBAU UNBEDINGT AUF DEN SCHWIMMERARM GEACHTET WERDEN! (Rote Markierung auf dem Foto) Verbiegt dieser oder bekommt sonstige Defekte, wird sich dies auf die Füllstandsanzeige negativ auswirken!

Wenn man sich jetzt ein wenig geschickt angestellt hat und die nötige Vorsicht walten lassen hat, hat man eine Komponente vor sich liegen, die dem Foto ähnlich sein sollte. Der rot durchgekreuzte Anschluss wird wahrscheinlich nicht vorhanden sein. Nun muss die Pumpeneinheit zerlegt werden, um die eigentliche Pumpe tauschen zu können. Zuerst sollte man sich um den Schwimmerarm kümmern. Dieser ist nur eingeklipst und kann einfach nach oben herausgelöst werden. Der Arm lässt sich relativ leicht mit einem breiten Schraubendreher heraushebeln. Wichtig dabei ist der Draht, der auf den Bildern rot markiert ist. Ist dieser ab, dann funktioniert die Anzeige nicht mehr. Ist der Schwimmer gelöst, lässt sich die Fixierung mit dem Draht leicht lösen. Optimalerweise fixiert man dieses Teil mit einem Stück Isolierband um es zu schützen. Es sollte nicht demontiert werden.

Auf der Unterseite der Pumpe erkennt man ein Sieb, welches fest mit der inneren Pumpe verbunden ist. Je nach dem, welche Pumpe man sich als Ersatz besorgt, muss man dieses Sieb tauschen. Es lässt sich mit etwas Gewalt vom Rest der Pumpe abhebeln. An den vier markierten Punkten müssen jetzt die Clipse gelöst werden. Hier sehr VORSICHTIG mit einem kleinen Schraubendreher die Laschen herunter hebeln. Jetzt lässt sich der Ring unter dem Bajonettverschluss einfach herunternehmen und die schwarze Dichtung wird frei. Um die obere Dichtung lösen zu können, muss der obere Ring entfernt werden. Dazu auch hier die Clipse vorsichtig, WIRKLICH VORSICHTIG!, etwas zurückhebeln und den Ring drüber schieben. Danach müsste sich die innere Pumpe einfach herauslösen lassen. Die innere Einheit mit der dreieckigen Halterung lässt sich über Ebay oder anderen Quellen relativ preisgünstig besorgen.

Jetzt einfach alles wieder in umgekehrter Reihenfolge zusammenbauen. Wichtig ist dabei der richtige Sitz der Dichtungen. Die Pumpe braucht den abgedichteten Raum um Benzin vorzuhalten für Kurvenfahrten und andere Pegeländerungen. Wenn man ein wenig konzentriert und mit gesunder Vorsicht vorgeht, sollte ein Austausch kein Problem sein. Ist die Pumpeneinheit wieder zusammengebaut, sollte man die Dichtung vom Stopfen mit ein wenig Vaseline einschmieren. Dies hilft später, den Stopfen und die Überwurfmutter zu montieren. Wichtig ist der korrekte Sitz und das wirklich sichere Einrasten des Bajonettverschlusses am Tankboden. Wenn die Pumpe später im Tank herumbaumelt, wird das unweigerlich zu seltsamen Effekten im Motor führen. Das wieder einschrauben der Pumpeneinheit in den Tank ist eine echte Geduldsprobe! Ich habe fast 20 Minuten gebraucht um die Pumpe mit Schwimmer wieder an ihren Platz zu bringen. Wenn der Stöpsel wieder im Tank ist, sind die restlichen Arbeiten nur noch Fleißarbeit. Ein Testlauf kann nicht schaden, bevor alles wieder zusammengebaut wird.

Denkt bitte daran: Ich habe hier nur meine Erfahrungen niedergeschrieben, um dem einen oder anderen Bastler eine Hilfestellung zu geben. Wer nach dieser Anleitung an seinem Fahrzeug schraubt und weitere Defekte provoziert, ist selbst schuld! Ihr solltet schon ein bisschen technisches Verständnis besitzen, um diese Reparatur durchführen zu können. DIES IST KEINE OFFIZIELE REPARATURANLEITUNG!

Neuen Kommentar hinzufügen

Filtered HTML

  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <blockquote> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd> <br> <p>

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
Anti Roboter Frage...